Startseite
Wir stellen uns vor
Wir stellen uns vor

Ingenieursräder mit Edeloptik (aus "Radmarkt" 8/2006, gekürzte Fassung)

TRENGA DE – Trendiges aus Hamburg:

Mit einigen tausend Rädern im Jahr ist die TRENGA DE-Produktion in Hamburg-Harburg ein kleiner Fisch in der Branche – allerdings auch ein schillernder. Zwei Brüder führen die Geschicke des Unternehmens. Seit 15 Jahren fertigen Jens-Peter und Stephan Dirks Fahrräder in einem Hamburger Gewerbegebiet.

Eine Grundweisheit des modernen Marketing lautet: Eine erfolgreiche Marke erzählt eine Geschichte. Das führt zu einer interessanten Gedankenspielerei: Erwächst aus einer guten Geschichte auch eine erfolgreiche Marke? Im Fall der Gebrüder Dirks kann man das wohl bejahen. Denn sie produzieren seit 1994 unter dem Namen »TRENGA DE« Fahrräder und behaupten sich als kleiner, aber feiner Hersteller in einem schwierigen Markt bislang gut. Die Geschichte, die dahinter steckt und die TRENGA DE zu einer Erfolgsgeschichte gemacht hat, ist schnell erzählt. »Seit unserer Jugend gehen wir täglich mit dem Fahrrad um – auch in Extremsituationen. Wir leben sozusagen das Fahrrad«, sagt Stephan Dirks. »Uns fallen aus der Praxis immer wieder Verbesserungen ein. Die Kunden merken das an den Details.

 

Ritter von Shimanos Tafelrunde

Um das nachvollziehen zu können, muss man bis an den Anfang zurück: 1981 begann Stephan Dirks als Mechaniker in einem Hamburger Traditions-Radgeschäft. Damit ging er zwar seiner Leidenschaft nach, ärgerte sich nach seinen Worten aber auch über die vielen kleinen und großen Fehlkonstruktionen und wenig durchdachten Details der üblichen Konfektionsware. Ende der 80er Jahre realisierte Stephan Dirks einen Lebenstraum: Er fuhr um die Welt auf zwei Rädern – 18 Monate lang und 35.000 Kilometer weit. Damit war sein Erfahrungssäckel prall gefüllt. Einen Mitstreiter fand er in Bruder Jens-Peter – studierter Betriebswirt und engagierter Rennradfahrer. Stephan der Techniker, Jens-Peter der Kaufmann – an der ursprünglichen Arbeitsteilung hat sich bis heute kaum etwas geändert. Nach der Übernahme des Traditionsgeschäftes im Harburger Zentrum kam 1994 der Sprung in die Produktion eigener Räder, bei denen Stephan und Jens-Peter Dirks alles das besser machen wollten, was sie bei den »Rädern von der Stange« gestört hatte. Noch sechs Jahre dauerte es, bis im Frühjahr 2000 ein eigenes Produktionsgebäude in einem Gewerbegebiet die Fahrradfertigung aufnahm.

 
  Zwei Jahre später der Ritterschlag: Der leibhaftige Yozo Shimano berief die BrĂĽder Dirks in seine Entwicklungskommission – eine Art Think-Tank der Zweiradindustrie. AuĂźer TRENGA DE gehören weltweit noch etwa zwei Dutzend weitere Unternehmen zu der Runde, die dem Fahrradgiganten aus Japan die nötige Marktnähe verschaffen soll, wie Jens-Peter Dirks berichtet: »Seit nunmehr vier Jahren findet ein sehr intensiver und freundschaftlicher Meinungsaustausch direkt mit den Shimano-Ingenieuren statt – mal in Japan, mal bei uns in Hamburg.«
 

Hübsch aufwändig und teuer

Irgendwann fällt in jedem Gespräch mit den Brüdern das Wort »Herzblut«. Gemeint ist die Leidenschaft fürs Fahrrad, die übrigens auch jeder der Trenga-De-Mitarbeiter vom Mechaniker bis zum Produktmanager mitbringen muss – andere werden gar nicht erst eingestellt. Jeden Dienstag nach Geschäftsschluss ist die Liebe zum Fahrradfahren bei der TRENGA DE-Gemeinschaftsrunde – immerhin rund 60 Kilometer – tatkräftig unter Beweis zu stellen. Schön, dass sich hier zwei Fahrrad-Enthusiasten selbst verwirklichen können – aber was bringt es dem Kunden? Abzulesen ist die beschriebene Passion fürs Produkt vor allem an den Details der Fahrräder aus der Produktionshalle in Hamburgs Süden. Optik trifft Technik. Beispiel Sattelstützenklemme: Nicht nur ein besonders ansprechendes Design, sondern auch eine bessere Funktion durch eine vorteilhafte Kräfteverteilung und -einleitung sollen die Kunden überzeugen. Dass das hübsche Teil nicht nur lange hält, sondern im Vergleich zu konventionellen Klemmen auch um einiges teurer ausfällt, stört bei TRENGA DE niemanden.

 
Auch nicht bei den Ausfallenden: Um zu verhindern, dass der Schnellspanner des Hinterrades die Lackierung der Ausfallenden beschädigt – wer hat sich darüber nicht schon immer geärgert? –, entwickelte TRENGA DE einen zusätzlichen, CNC-gefrästen Schuh aus Aluminium, der die geschmiedeten und lackierten Ausfallenden schützt. Oder: Jedes TRENGA DE-Modell erhält eine eigene Zugverlegung. Dabei ist der geschmiedete und chromatierte Zuggegenhalter am Steuerrohr von Rennmaschinen, Crossrädern und Cityracern ein echter Hingucker. Der Fachmann sieht noch mehr: Die Krafteinleitung erfolgt über Formschluss. Das geht, weil das Steuerrohr an der Stelle, die den Gegenhalter aufnimmt, eine Aussparung aufweist. Das lässt sich natürlich nur fräsen, wenn das Steuerrohr eine entsprechende Wandstärke vorzeigen kann – also von allen handelsüblichen Normen abweicht. Nach dem Spezialisten, der das von TRENGA DE konstruierte Steuerrohr fertigen konnte, hat Stephan Dirks extra suchen müssen, aber er gönnt es sich und seinen Kunden. Um mit Pater Brown zu sprechen: Hübsch aufwändig habt ihr es hier.
 
 

Qualität rauf, nicht runter

Dabei zielt die Liebe zum Detail nicht nur auf ansprechende Optik. Solche Schmuckstücke wie Sattelstützenklemme, Ausfallende oder Zuggegenhalter bringen immer auch eine Verbesserung der technischen Eigenschaften mit sich. Qualitätstreue auch da, wo es der Kunde gar nicht sieht: »Wir verbauen sogar in unserer preisgünstigsten Gruppe die Felgenbänder von Schwalbe. Die kosten das Zehnfache der billigsten Taiwan-Bänder«, sagt Stephan Dirks. »Vielfach ist es in der Branche üblich, zu gucken, wo man noch einmal 0,5 Cent beim Felgenband einsparen kann. Ich hingegen mache mir Gedanken darüber, wo ich ein besseres Band herbekomme.« Die Brüder Dirks sind sich darüber im Klaren, dass ihr Qualitätsverständnis einen besonderen Kommunikationsaufwand erfordert. Der Kunde sieht natürlicherweise die Felgenbänder nicht – und oft auch eben nicht die kleinen Schmankerl am Steuerrohr oder an der Sattelstütze. Auf die muss er hingewiesen werden – oft genug springt dann der Funke über.

 
 

Finessen fĂĽrs Volk

Irgendwie erinnert das alles ein bisschen an den Edelhändler »Manufactum«, der – unter anderem auch Fahrräder – unter dem Motto verkauft: »Es gibt sie noch, die guten Dinge«, gute alte Qualitätsprodukte.« Ein Vergleich, den Jens-Peter Dirks nicht unbedingt gerne hört: »Der Unterschied ist, dass bei solchen Läden wie Manufactum die Qualität stimmt, aber auch die Preise entsprechend hoch sind. Das ist bei uns anders. Wir wollen zeigen, dass überlegene Technik nicht erst in der Preisklasse von 4.000 Euro aufwärts anfängt. Wir versuchen, dem normalen Kunden technisch hochwertige Features zugänglich zu machen.« An den Gesetzen wirtschaftlichen Handelns kommen aber auch Dirks nicht vorbei.Die vielen kleinen Schmuckstücke an den Trenga-De-Rädern kosten Geld und das bezahlen die Brüder nicht aus ihrer Privatschatulle. TRENGA DE ist kein Billiganbieter, wie ein kurzer Blick auf die VK-Liste zeigt: Rennräder beginnen bei 1.199 Euro und enden bei 3.499 Euro. Lediglich MTB- und Cross-Fans finden mit jeweils 499 Euro so etwas wie eine Einsteiger-Preisklasse, aber mit 3.999 Euro ebenso den High-End-Boliden.
Gehobene Mittelklasse im Übergang zum Premiumbereich – so lässt sich die Hamburger Fahrradschmiede wohl am ehesten beschreiben. TRENGA DE ist keine Kultmarke im Sinne eines schräg-flippigen Images – weder in der Rennradszene noch bei den Hardcore-MTBlern, obwohl technische Einzelheiten durchaus an die großen Szenenamen heranreichen und das Design der Räder weit über dem Durchschnitt liegt. Die Brüder Dirks haben ein ganz besonderes Verständnis von Kult.

 
 Â»Kult definiert sich nicht dadurch, dass etwas sinnlos teuer oder schräg ist«, sagt Jens-Peter Dirks. »Kult, so finden wir, ist auch das, was herauskommt, wenn jemand unkonventionelle Wege beschreitet und das auch noch technisch Sinn macht. So verstanden, sind wir, gemessen an dem, was der Markt sonst noch als Kultmarke bezeichnet, extrem kultig geworden. Ein wichtiger Aspekt unserer Arbeit ist der, dass wir kultige Details bezahlbar halten wollen.«
 

Form folgt Funktion

Design um des Designs willen lehnt insbesondere der Techniker Stephan Dirks ab. Sein Credo ist der alte Grundsatz des modernen Industriedesigns: form follows function (englisch für: »Die Form folgt der Funktion«, d. Red.), der die Wichtigkeit des Designs anerkennt, es aber auch klar der Funktion unterordnet. Er selbst sieht TRENGA DE als »bezahlbaren Vollsortimenter mit technisch anspruchsvollem Design für den anspruchsvollen Normalverbraucher.«
Dieses Profil haben die Brüder Dirks auch mit dem von ihnen betriebenen Fahrrad-Fachmarkt konsequent ausgebaut. »Der Volksmund im Hamburger Süden sagt zu TRENGA DE: kostet viel, ist aber auch gut«, beschreibt Stephan Dirks die Akzeptanz in der Region. »Das funktioniert hier, weil wir das 20 Jahre vorbereitet haben.«Der Sprung zum bundesweiten Anbieter vor einigen Jahren lag daher nahe, zumal Jens-Peter Dirks glaubt, mit dieser Orientierung eine Angebotslücke besetzen zu können.

 

Montage im Mix

Bei der Umsetzung ihrer Ideen arbeiten Stephan und Jens-Peter Dirks eng mit dem Münchener Designbüro »5th Dimension« und dem Ex-Radprofi und Maschinenbauingenieur Timo Wölk zusammen. Die Designer überarbeiten die Konstruktionen aus Hamburg und optimieren Form und Oberflächenfinish. Alle Trenga-De-Räder haben Aluminiumrahmen aus Fernost, die in der Hamburger Produktion pulverbeschichtet werden. Die Montage erfolgt in einer Mischung aus Einzelplatzmontage und Serienfertigung. »Wir haben beides miteinander kombiniert, nachdem wir zwei Jahre lang Einzelplatzmontage probiert haben und keine Qualitätsverbesserung feststellen konnten«, sagt Jens-Peter Dirks. Konkret: Die Mitarbeiter gehen von Fahrrad zu Fahrrad und erledigen die gleichen Montageschritte. Das führe zu einer gleichbleibenden Qualität, meint Dirks, weil die Handgriffe immer wiederkehrten. Der Unterschied zur Serienfertigung besteht aber darin, dass mehrere Fahrräder parallel und unabhängig voneinander montiert werden und der Mitarbeiter erst zum nächsten Rad geht, wenn er seine Montage hundertprozentig beendet hat. Das puffere individuelle Leistungsunterschiede und einzelne Stockungen im Montageablauf ab, heißt es in der Chefetage von TRENGA DE. Dirks glaubt, auf diese Art und Weise typische Stresssituationen der Serienfertigung, die zu Flüchtigkeitsfehlern führen, vermeiden zu können. Um Abstumpfung und damit Qualitätsverlust zu verhindern, rotieren die Mitarbeiter aber innerhalb eines Produktionszyklus, der etwa 20 bis 60 Fahrräder umfasst.

 
  »Unsere Arbeitsorganisation in der Montageabteilung zielt darauf ab, alle Mitarbeiter durch stetigen Ringtausch der Arbeitsschritte möglichst gleich fit zu halten«, erklärt Jens-Peter Dirks. »In der Regel können wir 70 Prozent des Programms sofort liefern.« Ein Produktionszyklus, der das gesamte Programm umfasst, dauert zwei Monate. »Das ist allerdings ein theoretischer Wert«, erklärt Dirks. »In der Praxis wird wöchentlich neu entschieden, Volumenmodelle werden vorgezogen oder auch andere, wenn entsprechende Bestellungen vorliegen.«